23.09.03 - Bericht der Ruhrnachrichten vom Schnatgang 2003 zwischen Erle und (Alt)Scher

Altschermbecker und Erler erkundeten zu Fuß ihre gemeinsame Grenze.

Katasterämter haben die Schnatgänge früherer Jahrhunderte längst überflüssig gemacht und ein wenig in Vergessenheit geraten lassen. Grund genug für den Heimatverein Erle, die alten Grenzbegehungen wieder in Erinnerung zu rufen.

Der 1988 gegründete Heimatverein Erle hat bereits vor einigen Jahren damit begonnen, die Grenze des Raesfelder Ortsteiles Erle systematisch im Gelände abzuschreiten. Nach dem Schnatgang entlang der Grenze zu Raesfeld und Rhade sollte diesmal der exakte Grenzverlauf zwischen den früheren Gemeinden Altschermbeck und Erle erkundet werden. Eingeladen waren auch die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins Schermbeck, dessen Vorsitzender Hans Zelle eine stattliche Anzahl von interessierten Grenzgängern mit ins benachbarte Territorium brachte. Klaus Werner übernahm als Vorsitzender des Heimatvereins Erle die Führung entlang der etwa fünf Kilometer langen Grenze. Am alten Postweg, auf dem bis zur Fertigstellung der heutigen Bundesstraße 224 im Jahre 1845 die Postkutschen auf der Strecke Essen-Borken verkehrten, begann die Grenzbegehung.

Auf dem ersten Teilstück der gemeinsamen Grenze erlaubten sich unweit von Jost-Schott die über 40 Wanderer einen Abstecher zur ehemaligen NATO-Stellung. Dort, wo seit Mitte der 1960er Jahre Holländer, Belgier und Amerikaner Munition lagerten, sorgt der Unternehmer Borchers derzeit für wesentlich mehr Zündstoff. Sein Bemühen, im Naturschutzgebiet eine Pferdepension zu errichten, stößt in der Bevölkerung Erles offensichtlich auf mehr Unmut als im benachbarten Schermbeck. "Wir befürchten, dass diese Heide platt gemacht wird", stellte Hedwig Rentmeister als Vorstandsmitglied des Erler Heimatvereins fest und erinnerte ebenso wie Klaus Werner an die bisherigen Bemühungen, die Heide zu erhalten.

1989 startete der Heimat-Verein eine Aktion zur Rettung der Heide. Vom Kreis Wesel gab es einen Zuschuss in Höhe von 7150 DM. Heimatverein und Schulkinder übernahmen umfangreiche Pflegemaßnahmen und das Anpflanzen von Wacholderbüschen. Als 1997 Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Wesel die Heide besichtigten, waren die Behördenvertreter vom Erscheinungsbild der Heide hellauf begeistert. Nun fürchtet man in Erle, dass der außerhalb des Zaunes gelegene Bereich der Heide genau so zerstört wird wie der umzäunte Bereich, in dem eine Überbeweidung stattfindet und zudem Baumaschinen seit Monaten im Gelände wühlen.

Entlang dem Hatkamp führte die weitere Grenzbegehung. In einem Kiefernforst konnten die Teilnehmer froh sein, dass die Hirsche ihnen ein paar Wechsel breit getreten hatten. Jenseits der B 224 führte der Weg durch die Holzheide im Südosten von Erle unmittelbar nördlich an der Gokartbahn vorbei. Dort, wo Brammenschmede und Vennenweg ineinander übergehen, erlaubte der asphaltierte Grenzweg ein schnelleres Vorankommen der Wanderer. Erst jenseits der Erler Straße führte die Grenze zwischen Erle und Altschermbeck zwischen den Bauernhöfen Schneemann und Brüninghoff wieder über Ackerflächen. Am Mühlenbach endete die Erler-Altschermbecker Grenze.

Auf dem weiteren Weg westlich des Mühlenbaches bekamen die Wanderer einen Vorgeschmack auf die von beiden Heimatvereinen geplante Begehung der Grenze zwischen Erle und Overbeck, die im nächsten Jahr stattfinden soll.